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Titel

Nationalfonds-Studien über unterirdische Magnetschnellbahnen

P R E S S E M I T T E I L U N G - Bern,  16. Oktober 2000

Eurometro als ökologische Alternative zum Flugverkehr

Eine unterirdische Schnellbahn vom Typ Swissmetro wäre fünfmal ökologischer als der Kurzstreckenflugverkehr. Allerdings würde eine Schnellbahn auch die Zentralisierung fördern und die Städte bevorteilen. Dies ist das Ergebnis von drei Studien aus dem Nationalen Forschungsprogramm «Verkehr und Umwelt».

Der Grundgedanke der Swissmetro ist einfach: Angesichts der topographischen Situation und der Siedlungsstruktur der Schweiz lässt sich eine Hochgeschwindigkeitsbahn nicht auf der Erdoberfläche, sondern nur unterirdisch realisieren. Auf den beiden Hauptverkehrsachsen der Schweiz, nämlich zwischen Basel und Lugano sowie zwischen Genf und St. Gallen, könnte eine unterirdische Magnetschwebebahn mit Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 500 Kilometern in der Stunde verkehren. Diese hohen Geschwindigkeiten liessen sich dank eines Teilvakuums in den Tunnelröhren erzielen, die in einer Tiefe von 40 bis 150 Meter angelegt werden sollen.

Noch ist eine solche futuristische Transportmöglichkeit in der Schweiz aber Zukunftsmusik, eine allfällige Inbetriebsetzung der Swissmetro vor dem Jahre 2030 scheint wenig realistisch. Nachdem 1997 die Swissmetro ein Konzessionsgesuch für eine Pilotstrecke eingereicht hatte, verlangte der Bundesrat 1999 Anpassungen im Finanzierungskonzept.

Nun hat das Nationale Forschungsprogramm «Verkehr und Umwelt» (NFP41) die Auswirkungen eines solchen Bahnnetzes auf die räumliche Struktur der Schweiz in einer Doppelstudie untersucht. Mit Hilfe von mehreren Szenarien kamen die Forscherinnen und Forscher der ETH Zürich und Lausanne zum Schluss, dass die Swissmetro in erster Linie die Zentren stärken würde. Die Randregionen und gemäss den meisten Szenarien auch die kleineren Städte würden zu den Verlierern gehören. Das Gleichgewicht der sieben Grossregionen der Schweiz würde sich hingegen kaum verändern, da in jeder Grossregion eine Haltestelle der Swissmetro vorgesehen ist. Die Zentralschweiz würde sich jedoch in allen Szenarien als Gewinnerin erweisen.

Die Autoren der beiden Teilstudien haben für den Fall, dass die Swissmetro gebaut wird, in ihren Modellen bei der Bevölkerung und bei den Arbeitsplätzen Veränderungen von maximal drei Prozent berechnet. Verglichen mit den strukturellen Auswirkungen der Bahn2000 oder des Autobahnnetzes sind das eher geringe Auswirkungen, heisst es in den Schlussberichten. Entscheidend für die räumlichen Auswirkungen sind aber auch die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen: So würde zum Beispiel ein EU-Beitritt auch die räumliche Entwicklung der Schweiz beeinflussen. Ebenfalls eine Rolle spielt die Frage, wie neben einer Swissmetro das Angebot des übrigen öffentlichen Verkehrs noch wird aufrecht erhalten werden können.

Unterirdisch quer durch ganz Europa?

Eine weitere soeben veröffentlichte Studie des NFP41 hat die Energie- und Umweltbilanz einer Eurometro untersucht. Das Forscherteam kam dabei zum Schluss, dass bei Distanzen bis ungefähr 1000 Kilometer – also zum Beispiel für die Strecke Rom-Frankfurt oder Genf-Madrid – die Eurometro ein ökologische Alternative zum Flugverkehr darstellen würde. Auf mittleren Strecken liesse sich – verglichen mit dem heutigen Flugverkehr – mit einer Magnetschwebebahn im Teilvakuum, die energetisch optimiert würde, eine Effizienzsteigerung um den Faktor fünf bis zehn erzielen. Gegenüber heutigen Hochgeschwindigkeitszügen wie zum Beispiel dem ICE in Deutschland oder dem TGV in Frankreich ist bei der Betriebsenergie eine Halbierung der Verbrauchswerte zu erzielen. Auch die Infrastruktur weist im Vergleich mit heutigen Verkehrssystemen viele Vorteile auf: Mit einer unterirdischen Bahn lassen sich Lärmbelästigungen und Eingriffe in die Landschaft weitgehend vermeiden.

Die Autoren der Studie betonen, dass bei einer Gesamtbilanz indes viele Faktoren zu berücksichtigen sind: So sei auch eine durch das neue Angebot Eurometro zusätzlich erzeugte Mobilität in die Bilanzierung zu integrieren. Weitere Faktoren, die es zu berücksichtigen gilt, sind die Art der Stromproduktion sowie die Umweltbelastungen beim Bau der Eurometro: Zwar werden die Treibhausgasemissionen beim Bau eines europäischen Magnetschwebebahnnetzes vermutlich etwa gleich gross sein wie die Emissionen während der gesamten voraussichtlichen Nutzungsdauer von hundert Jahren. Doch das ist etwa gleichviel, wie der Flugverkehr bei einer entsprechenden Nachfrage in nur zehn Jahren verbrauchen würde!

Publikationen:

Katell Daniel / Martin Schuler / Michel Bassand / Pierre-Alain Rumley:
Swissmetro et la Suisse en prospective. Les incidences spatiales de la grande vitesse (partie IREC-EPFL du projet F5),
Bericht F5a des NFP 41 «Verkehr und Umwelt», Bern 2000, EDMZ-Bestellnummer: 801.673.f., Preis CHF 29.-

Ricardo Gruber / René Zbinden / Willy A. Schmid:
Räumliche Effekte von Swissmetro. Modellsimulation der Auswirkungen von Verkehrsinfrastrukturänderungen (Teil ORL-ETHZ von Projekt F5), Bericht F5b des NFP 41 «Verkehr und Umwelt», Bern 2000, EDMZ-Bestellnummer 801.674.d., Preis CHF 19.-

Walter Ernst / Jens Geisel / Hanspeter Graf / Christian Leuenberger / Daniel Schöbi:
Energie- und Umweltbilanz einer Eurometro, Bericht F6 des NFP 41 «Verkehr und Umwelt», Bern 2000, EDMZ-Bestellnummer: 801.680.d. Preis ca. CHF 29.-

Bezug: BBL/EDMZ, CH–3003 Bern, Fax +41 31 325 5058, Internet: http://www.admin.ch/edmz.

Kurzfassungen sind im Internet verfügbar unter http://www.nfp41.ch.

Auskünfte zum Projekt:

Studie F5a
Katell Daniel, IREC EPFL, 14, av. de l'Eglise Anglaise, CH-1000 Lausanne, Tel.: +41 21 693 6256,
E-Mail: Katell.Daniel@epfl.ch, Internet: http://irec.epfl.ch/

Studie F5b
Prof. Willy A. Schmid, ETHZ - ORL, ETH-Hönggerberg, CH-8093 Zürich, Tel.: +41 1 633 2981,
Fax: +41 1 633 1102, E-Mail: schmid@orl.arch.ethz.ch, Internet: http://www.orl.arch.ethz.ch.

Studie F6
Walter Ernst, Abt. Energietechnik, HTA Burgdorf, Berner Fachhochschule, CH-3400 Burgdorf,
Tel.: +41 41 228 6452, Fax: +41 41 228 6422, E-Mail: w.ernst@bluewin.ch oder walter.ernst@lu.ch, Internet: http://wwww.hta-bu.bfh.ch.

Auskünfte zum Programm:

Felix Walter
Programmleiter
ECOPLAN
Thunstrasse 22
3005 Bern
Tel. 031/356 61 61
Fax 031/356 61 60
E-Mail: walter@ecoplan.ch