Tagung  
Titel

Weniger Verkehr dank Telekommunikation: Chance oder Illusion?

Neue Forschungsergebnisse - Folgen für die Verkehrspolitik
 
Datum, Ort Freitag, 24. März 2000, Hotel Alfa, Bern  
Organisation ESST/EPFL  
Referate

Einführung (downloadable file)
(F. Walter, Programmleiter NFP 41)

Telekommunikation in klassischen Unternehmungen: wer nutzt sie wie ? Wie beeinflusst sie den Verkehr ?
Resultate aus dem Projekt A7 (EVITA I),  (summaries in english / français / deutsch, and abstracts
(Simone Rangosch-du Moulin, Dr., Geographisches Institut der Universität Zürich)

Les entreprises virtuelles et les conséquences pour les transports
Résultats du projet A8 (EVITA II), (A8 - summaries in english / français / deutsch, and abstracts)
(Martine Buser, European Master in Society, Science and Technology ESST/EPFLn)

Mehrt oder mindert Telearbeit Verkehr ? (downloadable file)
(Walter Vogt, Dr.Ing., Institut für Strassen- und Verkehrswesen, Universität Stuttgart)

Les incidences des TIC sur les mobilités professionnelles (downloadable file / charts)
(Gérard Claisse, Prof., Laboratoire d'Economie des Transports LET, Lyon/Vaulx-en-Velin))

Commentaire du point de vue pratique: les expériences de Swisscom avec le télétravail
(Jean-Jacques Jaquier, Swisscom)

Kommentar aus Sicht der Planung (downloadable file)
(Peter Keller, Raumplaner NDS ETH/dipl. Arch. ETH, IVT, ETH Zürich)

Commentaire du point de vue de l'"Information Society Project Switzerland"
(Sabine Brenner, Office fédéral de la communication OFCOM)

Kommentar aus politischer Sicht (downloadable file)
(Fulvio Caccia, Dr., Präsident Eidg. Kommunikationskommission und Mitglied Expertengruppe NFP41)

 
Medieninformation

Telekommunikation bringt kaum weniger Verkehr

Der zunehmende Einsatz moderner Telekommunikationsmittel (TKM) wie z.B. E-Mail, Datentransfer oder Videokonferenzen wird den Geschäftsreiseverkehr nicht vermindern. Dies ist die Schlussfolgerung von zwei Studien des Nationalfondsprogramms "Verkehr und Umwelt" (NFP 41), die am Freitag an einer Tagung präsentiert wurden. Der Grund: Die TKM erlauben den Unternehmungen, über grössere Distanzen mit Partnern zusammen zu arbeiten, und dies erzeugt letztlich mehr Geschäfts- und auch Güterverkehr, als durch "elektronische Kontakte" eingespart werden kann.

Hoffnung auf "Telekomm statt Verkehr" gedämpft

Immer wieder wird die Hoffnung geäussert, moderne Kommunikationsmittel könnten Geschäftsreisen ersetzen und damit den Verkehr vermindern. Eine Tagung****) des Nationalen Forschungsprogramms "Verkehr und Umwelt" vom Freitag, 24. März 2000 in Bern hat diese Hoffnungen zu einem grossen Teil zerstört:

Laut den präsentierten Studien und den Forschungsergebnissen eines deutschen und eines französischen Forschers führt der vermehrte Einsatz von TKM zu drei Haupteffekten:

  • die Rationalisierung dank Telematik im Verkehr selbst (die allerdings mit einer Attraktivierung des Verkehrs verbunden ist)
  • der Ersatz von Geschäftsreisen durch TKM
  • zusätzlicher Verkehr auf Grund der stärkeren Arbeitsteilung und räumlichen Ausdehnung, welche durch TKM überhaupt erst möglich wird.

Telekomm ermöglicht Arbeitsteilung - und bringt damit mehr Verkehr

Aus einer Umfrage des Projekts der Universität Zürich* geht hervor, dass auch bei Firmen, die häufig moderne TKM einsetzen, Videokonferenzen nur von weniger als 10% der Firmen genutzt werden. Die Geschäftsreisen haben bei einem Viertel der Firmen abgenommen, bei 60% sind sie aber gleich geblieben. In vertiefenden Interviews bestätigte sich, dass immer mehr in internationalen Teams gearbeitet wird: Die TKM ermöglichen zwar hier eine effizientere und räumlich getrennte Zusammenarbeit, die aber nach Meinung der Firmen ohne persönliche Begegnungen und Reisen, insbesondere für den Aufbau von Teams, für bedeutende Kundenkontakte und für Geschäftsleitungssitzungen nicht möglich ist.

Auch E-Commerce spart kaum Verkehr

Dies wird auch durch 30 Fallstudien des Parallelprojekts der ETH Lausanne** bestätigt. Die Forscher dieses Projektes ziehen zudem den Schluss, dass TKM nicht zu einer "Dematerialisierung" der Wirtschaft und auch nicht zu weniger Verkehr führen. Auch E-Commerce, also der Einsatz von Elektronik und TKM beim Bestellen und Vertreiben von Waren und Dienstleistungen, bringt eher grössere und längere Handelsströme und damit zusätzlichen Verkehr, ebenso die Zusammenarbeit von Firmen in elektronisch verknüpften Netzwerken ("virtuelle Unternehmungen").

Telearbeit: Weniger Kilometer, aber wohl für Wenige

Hingegen zeigt eine Untersuchung der Universität Stuttgart über Telearbeit***), dass die vermehrte Arbeit zu Hause tatsächlich Verkehr einsparen kann. Eine detaillierte Untersuchung von 100 Telearbeitenden, die über einen Drittel ihrer Arbeit zu Hause erledigen können, zeigt eine Verminderung des Verkehrs um 27%. Das macht pro Jahr und pro Person über 2'500 Kilometer aus. In der Freizeit fahren die Befragten nicht mehr als vorher.

Die Tagung machte allerdings deutlich, dass das Potenzial für Telearbeit als eher gering eingestuft wird und die verkehrserzeugenden Effekte der verstärkten Arbeitsteilung insgesamt überwiegen dürften.

 
Studien *) Rangosch Simone: Neue Kommunikationsmedien: Einsatz in Unternehmen und Auswirkungen auf den Verkehr, Bericht A7 des NFP 41 "Verkehr und Umwelt"; EDMZ-Bestellnummer: 801.656.d, ca. 19 CHF

**) Buser Martine, Rossel Pierre, Bosset Frédéric: Nouvelles formes de communication et de coopération des entreprises: conséquences pour les transports, rapport A8 du PNR 41 "Transport et environnement", EDMZ-Bestellnummer: 801.657.f; ca. 19 CHF

 
Bezug: BBL/EDMZ, CH-3003 Bern Fax +41 - 31 - 325 50 58; www.admin.ch/edmz  
Bemerkungen

***) Walter Vogt, Institut für Strassen- und Verkehrswesen der Universität Stuttgart, "Mehrt oder mindert Telearbeit Verkehr?", Referat an der Tagung des NFP 41 vom 24.3.99, in:

****) Dokumentation zur Tagung vom 24.3.99 "Weniger Verkehr dank Telekommunikation: Chance oder Illusion?" auf www.snf.ch oder von: Martine Buser, ESST/EPFL, CM 1 - 620, CH-1015 Lausanne, Tel. +41 21 693 71 93, Fax +41 21 693 71 90, E-MAIL martine.buser@epfl.ch